Diskussion: sozialer Dialog – Erwartungen an die EU

20160118_Sozialer Dialog VA

Was erwarten Unternehmen und Arbeitnehmer von Europa?
MONTAG 18. JANUAR 2016 • 18.30 > 20 h • BERLIN
MIT REINER HOFFMANN, PIERRE-ANDRÉ DE CHALENDAR und DONATA RIEDEL

Die Interessen von Unternehmen und Arbeitnehmern stehen häufig in einem Spannungsverhältnis zueinander: Wer braucht wie viel Schutz und wie viel Flexibilität? Wo brauchen wir grenzübergreifend mehr Kooperation und wo mehr Kontrolle? Was erwarten Arbeitgeber und Arbeitnehmer von Europa? Diese Fragen diskutieren Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Pierre-André de Chalendar, Vorsitzender des französischen Unternehmens Compagnie de Saint-Gobain mit Donata Riedel, Handelsblatt.

Zusammenfassung der Debatte:

Deutschland und Frankreich müssen enger zusammenarbeiten, damit das Europäische Projekt gewahrt wird – diese Aussage war Konsens am 18. Januar auf dem Panel der Diskussion „Was erwarten Unternehmen und Arbeitnehmer von Europa?“ in der Französischen Botschaft. Pierre-André de Chalendar, Vorsitzender des französischen Unternehmens Compagnie de Saint-Gobain, ging dabei hart mit seinem Heimatland ins Gericht: In Frankreich würde viel zu schlecht über Europa geredet und die Franzosen sollten sich disziplinieren. Reiner Hoffmann, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erklärte, welche Maßnahmen auf europäischer Ebene seiner Meinung nach nötig wären, um die EU zu stabilisieren: ambitioniertere Investitionsprogramme und ein starker sozialer Dialog. Für diese Vorhaben wünscht sich de Chalendar ein starkes Deutschland, das in Europa eine Führungsrolle einnimmt. In dieser Position könne Deutschland, zusammen mit Frankreich, das mutigere Reformen angehen sollte, in einer Vielzahl an Bereichen wie Energiewende, Klima und digitale Revolution die transnationale Kooperation in der EU voranbringen. Oberste Priorität auf der politischen Agenda war für beide Diskutanten die Wahrung des grenzfreien Schengen-Raums. Der wiederum wird sich wohl nur stabilisieren, wenn die Flüchtlingskrise nachhaltig gelöst ist. Reiner Hoffmann pochte darauf, dass Flüchtlinge mehr Rechte am Arbeitsmarkt bekommen. Doch auch die externe Perspektive dürfe nicht außer Acht gelassen werden: Es bedürfe einer Ursachenbekämpfung in der Krisenregion. De Chalendar pflichtete ihm bei und betonte, wie wichtig eine bessere Sicherung der EU-Außengrenzen sei. In seiner abschließenden Zusammenfassung nannte Henrik Enderlein, Direktor des Jacques Delors Instituts – Berlin, die Diskussion ein „Feuerwerk von Ideen“, die zeigen, dass deutsch-französische Kooperation nicht nur auf politischer Ebene, sondern insbesondere zwischen Vertretern von Wirtschaft und Interessengruppen erfolgreich funktioniere.

Dieser Diskussionsabend war Teil einer Veranstaltungsreihe, die den deutsch-französischen Dialog und ein besseres gegenseitiges Verständnis fördern möchte. Das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen in Europa soll gestärkt und Konvergenzen aufgezeigt werden. Initiatoren der Veranstaltungsreihe sind die Botschaft der Französischen Republik in Deutschland, das Innovationskolleg der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und das Jacques Delors Institut – Berlin.