Was denkt die Millenniums-Generation über EU und Euro?

ZUM BEITRAG ENGLISCH

Was denkt Europas junge Generation über die EU und den Euro? Was wissen sie über die Europäische Union? Und welche Veränderungen wünschen sie sich für die gemeinsame Währung? Anna auf dem Brinke, Katharina Gnath und Philipp Ständer analysieren dazu Umfragedaten für alle 28 EU-Mitgliedstaaten und ziehen daraus Schlüsse für die Politik.

Das Brexit-Referendum im Juni 2016 hat gezeigt, dass junge Wähler deutlich pro-europäischer sind als ihre älteren Mitbürger. Die Unterschiede zwischen den Alten und Jungen im Hinblick auf ihre Unterstützung zur Europäischen Union lässt sich für alle 28 Mitgliedsstaaten feststellen. Die Analyse zeigt aber auch, dass das Engagement der Millenniums-Generation aus drei Gründen auf dünnem Eis steht:

Die pro-europäische Grundhaltung der jungen Generation lässt sich nicht so einfach in Wähler-Stimmen umwandeln. Die Erfahrung zeigt, dass die Mobilisierung junger Wähler schwierig ist. Viele der jungen „Millennials“, die die EU am meisten unterstützen, sind noch nicht wahlberechtigt. Darüber hinaus zeigt unsere Analyse, dass sehr junge Menschen (14-25 Jahre alt) nicht viel über die EU wissen. Bisherige Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich dies negativ auf die Beteiligung zu den Wahlen des Europäischen Parlaments auswirkt.

Ältere Millennials (zwischen 26 und 35 Jahre alt), die frisch ins Berufsleben gestartet sind, sind von der Währungsunion und dem Euro enttäuscht. Ihre Unterstützung für den Euro ist deutlich geringer als für die EU: In der Peripherie sprechen sich lediglich 49 % für den Verbleib im Euro aus, 12 %-Punkte weniger als für die EU-Mitgliedschaft. Innerhalb der EU sind die pro-europäischen Einstellungen bei den 26- bis 35-Jährigen weniger spürbar als bei den 14- bis 25-Jährigen. Die alten „Millennials“ haben die Rezession und die rekordverdächtige Jugendarbeitslosigkeit am eigenen Leib erlebt. Solange die politischen Entscheidungsträger im Euroraum ihr Versprechen von Wachstum und Beschäftigung nicht einhalten, gefährden sie weiterhin die Unterstützung der jungen Europäerinnen und Europäer zur gemeinsamen Währung.

Europas Millenniums-Generation wird nicht die treibende Kraft sein, wenn es darum geht, Wirtschaftsreformen in der Eurozone anzustoßen. Im Durchschnitt scheinen die Jugendlichen weit weniger besorgt über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu sein als ihre älteren Mitbürger. Dies sollte ein Weckruf für die Politik sein: Reformen sind notwendig, um auf lange Sicht eine starke und stabile Währung zu garantieren. Die politischen Entscheidungsträger sollten deshalb mehr Anstrengungen unternehmen, um der jungen Generation Europas zu erklären, wie die verschiedenen Optionen zur Stabilisierung des Euro den Bürgerinnen und Bürgern direkt zugutekommen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass junge Europäerinnen und Europäer nicht automatisch eine starke und zuverlässige Basis sind, auf die die Politik zählen kann. Wenn die politischen Entscheidungsträger in Europa jedoch überzeugende und konsequente Pläne für die Zukunft der Eurozone und der EU präsentieren, können sie die starke pro-europäische Stimmung der „Millennials“ nutzen.

 

Das eupinions brief Nr. 2016/01 ist Teil eines größeren Forschungsprojekts der Bertelsmann Stiftung und des Jacques Delors Instituts – Berlin. Weitere Informationen zu unserer Arbeit zur Zukunft der Eurozone finden Sie auf www.strengthentheeuro.eu